Direkt zum Inhalt
    Zu Kreislauf

    Kreislauf-Wende: Was braucht es jetzt?

    Kreislauf-Check

    Kreislauf · Erklärstück5 Min.

    KI-Illustration · Lebenswerte
    Inhaltsverzeichnis

    Investitionen in die Kreislaufwirtschaft gelten oft noch als risikoreich. Es fehle an langfristiger politischer Klarheit, stabilen Märkten für wiederverwendete Materialien und gezielter öffentlicher Förderung, um private Gelder zu mobilisieren. Das zeigt ein neuer Bericht, den das britische Fachinstitut für Abfall- und Ressourcenwirtschaft (CIWM) im Oktober 2026 veröffentlicht hat. Die vom Institut beauftragte und von Resource Futures durchgeführte Studie fordert ein koordiniertes Vorgehen von Regierung, Industrie und Finanzwelt. Nur so könnten die nötigen Rahmenbedingungen für Reparatur, Wiederverwendung und Recycling geschaffen und die zirkuläre Infrastruktur ausgebaut werden. Es braucht also einen gemeinsamen Ruck.

    Warum Kreisläufe entscheidend sind

    Infrastruktur für die Kreislaufwirtschaft sollte zunehmend als „kritische nationale Infrastruktur“ behandelt werden, so die klare Argumentation des Berichts. Sie sei entscheidend für die Ressourcensicherheit, die allgemeine Widerstandsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Dan Cooke, Direktor für Politik und Kommunikation beim CIWM, betont, dass das nötige Kapital zwar verfügbar sei, aber nur dorthin fließen werde, wo die Bedingungen stimmen. Andere Wirtschaftsräume wie China und die EU seien hier laut seiner Einschätzung vom Oktober 2026 möglicherweise schon weiter und würden die strategischen Vorteile solcher Investitionen bereits stärker für sich nutzen. Es geht darum, mehr Wert aus den vorhandenen Ressourcen im eigenen Land zu schöpfen und die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu verringern, was die Wirtschaft widerstandsfähiger macht.

    Der Bericht kritisiert, dass der breitere gesellschaftliche Wert von Kreislaufprojekten bei Investitionsentscheidungen oft nicht ausreichend gemessen oder priorisiert wird. Dazu gehören positive Effekte wie die Schaffung lokaler Arbeitsplätze, die Vermeidung von Abfall, die Reduzierung von Umweltverschmutzung und eine größere wirtschaftliche Resilienz. Um diese Lücke zu schließen, fordert das CIWM von der britischen Regierung, endlich einen umfassenden Wachstumsplan für die Kreislaufwirtschaft vorzulegen. Dieser Plan sollte klare, sektorspezifische Ziele und Zeitpläne enthalten. Das würde Investorinnen und Investoren die nötige langfristige Sicherheit geben, um ihr Kapital im Land einzusetzen und den Übergang aktiv mitzugestalten, anstatt auf unsichere Marktsignale zu reagieren und Investitionen zurückzuhalten.

    Vier Bereiche mit besonderem Bedarf

    Die Untersuchung konzentriert sich auf vier Materialströme, bei denen die Hürden und Chancen besonders deutlich werden: Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE), Kunststoffe, Konsumverpackungen und Textilien. In diesen Sektoren halten sich Investorinnen und Investoren laut der CIWM-Analyse wegen schwacher Marktsignale und unsicherer Absatzmärkte für recycelte Materialien zurück. Es brauche daher gezielte politische Maßnahmen, um die Nachfrage nach heimisch recycelten und wiederaufbereiteten Rohstoffen zu stärken und verlässliche Märkte zu etablieren. Ohne einen stabilen Absatzmarkt bleibt das finanzielle Risiko für neue Recyclinganlagen oder Reparaturzentren hoch, was dringend benötigte Investitionen in innovative Technologien und Prozesse bremst.

    Eine konkrete Empfehlung ist, öffentliche Investitionen stärker als bisher zu nutzen, um das Risiko für private Geldgeber zu senken und so weiteres Kapital anzuziehen. Außerdem wird eine gezielte Unterstützung für Projekte gefordert, die sich in der „fehlenden Mitte“ zwischen früher Innovation und kommerzieller Marktreife befinden. Die Autorinnen und Autoren schlagen zudem vor, einen Teil der Einnahmen aus dem britischen Emissionshandelssystem, dessen Einführung kürzlich verschoben wurde, direkt in die Infrastruktur der Kreislaufwirtschaft zu lenken, wie der Bericht vom Oktober 2026 festhält.

    Wie Investitionen erfolgreich werden

    Dass sich Investitionen in zirkuläre Geschäftsmodelle lohnen können, zeigt ein Beispiel aus den Niederlanden. Dort haben Aviva Investors und ABN AMRO im Oktober 2026 bekannt gegeben, 100 Millionen Euro in die Plattform SL Materials zu investieren. Das 2019 gegründete Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, um aus Betonabbruch wieder Sand, Kies und Zement in einer Qualität zu gewinnen, die der von Primärrohstoffen entspricht. Daraus lässt sich neuer, CO₂-armer Beton herstellen, der die gleichen technischen Anforderungen wie herkömmliches Material erfüllt und dabei dessen Robustheit sowie Zertifizierungsanforderungen erreicht.

    Das ist ein wichtiger Hebel, denn die Zementproduktion allein ist laut Branchendaten von Oktober 2026 für rund acht Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich; für jede Tonne Zement werden über 900 kg CO₂ freigesetzt. Angenika Kunne von Aviva Investors begründet die Investition damit, dass SL Materials bereits im kommerziellen Maßstab bewiesen habe, hochwertigen zirkulären Beton wirtschaftlich konkurrenzfähig herzustellen. Mit dem frischen Kapital soll die bestehende Produktion ausgebaut und die Technologie weiterentwickelt werden, um die Kreislaufführung im Bausektor europaweit voranzutreiben und als führende industrielle Plattform zu etablieren. Das zeigt das große Potenzial.

    Was du jetzt tun kannst

    Auch wenn die großen Hebel in Politik und Industrie liegen, kannst du im Kleinen etwas bewirken. Achte beim Kauf von Produkten auf anerkannte Umweltzeichen, die einen hohen Anteil an recyceltem Material oder eine gute Reparierbarkeit ausweisen. Viele Hersteller bieten inzwischen detaillierte Informationen zur Herkunft ihrer Materialien an. Wenn du ein Eigenheim besitzt und eine Sanierung ansteht, frage gezielt nach Baustoffen aus dem Recyclingkreislauf. So stärkst du die Nachfrage nach zirkulären Produkten und zeigst Unternehmen, dass es einen Markt für ressourcenschonende Alternativen gibt. Das schafft wertvolle Anreize für die gesamte Branche.

    Großbritannien hat die Chance, seine Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, doch es fehlt an politischer Klarheit, um private Investitionen in die Kreislaufwirtschaft zu lenken. Eine neue Studie des Fachinstituts CIWM zeigt, welche koordinierten Maßnahmen von Politik, Industrie und Finanzwelt jetzt nötig sind, um die Finanzierung von Wiederverwendung, Reparatur und Recycling endlich im großen Stil zu sichern.

    Quellen

    1. ‘Coordinated action’ needed to unlock investment in UK circular economy infrastructure — circularonline.co.uk
    2. Aviva Investors, ABN AMRO Invest €100 Million in Circular Concrete Platform SL Materials — esgtoday.com

    Redaktion

    Redaktion Lebenswerte

    Die Redaktion von Lebenswerte recherchiert, prüft und ordnet Entwicklungen aus Landwirtschaft, Ernährung, Kreislaufwirtschaft und Regulierung ein.

    Redaktionelle Prüfung und Quellenverifikation durch das Team von Better Now Marketing.

    Transparenz: Der Rohentwurf dieses Beitrags entstand KI-gestützt und wurde redaktionell geprüft, belegt und eingeordnet.

    Themen-Cluster

    Kreislaufverpackung

    Materialien, Systeme, Kosten.

    Lebenswerte Woche

    Sonntags um 08:00: die fünf wichtigsten Beiträge der Woche plus Wochenessay. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.

    Double-Opt-in. Keine Weitergabe deiner Daten, Abmeldung jederzeit mit einem Klick.

    Weiterlesen