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Frauen sind für die europäische Landwirtschaft unverzichtbar. Sie treiben Innovationen voran, diversifizieren Einkommensquellen und gestalten den Sektor aktiv mit. Dennoch sind sie in Führungspositionen und als Betriebsinhaberinnen noch immer stark unterrepräsentiert. Um diese Lücke zu schließen und Frauen gezielter zu fördern, hat die EU ihre Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) angepasst und neue Initiativen gestartet. Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Sichtbarkeit von Frauen erhöhen, sondern auch ihre wirtschaftliche Stellung stärken und den Zugang zu wichtigen Ressourcen erleichtern.
Weniger als ein Drittel der Höfe in weiblicher Hand
Die Zahlen zeigen eine deutliche Schieflage: Obwohl Frauen eine tragende Säule der ländlichen Wirtschaft sind, führten sie laut Daten der Europäischen Kommission im Jahr 2023 nur etwa 31 % der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU, was die Kommission auf ein moderates Wachstum seit 2010 und eine Stabilität seit 2020 zurückführt. Die Anteile variieren dabei stark zwischen den EU-Ländern und reichen von 6 % in den Niederlanden bis zu 44 % in Lettland. Unter den Landwirtinnen unter 40 Jahren ist die Lücke besonders groß: Von allen Betrieben in der EU gehören laut Kommission nur 3 % Frauen dieser Altersgruppe. Ihre Höfe sind zudem mit einer durchschnittlichen Größe von neun Hektar oft deutlich kleiner.
Diese Ungleichheit hat konkrete wirtschaftliche Folgen. Die Welternährungsorganisation (FAO) hat berechnet, dass eine Schließung der geschlechtsspezifischen Lücken bei der landwirtschaftlichen Produktivität und den Löhnen das globale Bruttoinlandsprodukt um eine Billion US-Dollar steigern (Stand: 2026-10-08) und die Ernährungsunsicherheit für 45 Millionen Menschen verringern könnte. In Lohnanstellungen verdienen Frauen laut FAO 78 Cent für jeden Dollar, den ein Mann verdient (Stand: 2026-10-08). Die EU-Kommission erkennt an, dass die Anerkennung der Leistungen von Landwirtinnen entscheidend ist, um einen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen, Rechten und Entscheidungsbefugnissen zu gewährleisten.
Gezielte Förderung durch die GAP
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist das zentrale Instrument, um die Beteiligung von Frauen in der Landwirtschaft zu stärken. Die EU-Länder haben im Rahmen ihrer GAP-Strategiepläne mehr Spielraum für gezielte Maßnahmen erhalten. Einige Länder nutzen diese Möglichkeit bereits aktiv. Spanien hat beispielsweise die Einkommensstützung für Junglandwirtinnen erhöht, während Irland Frauen im Rahmen von Investitionsregelungen stärker unterstützt. Allein im Jahr 2024 erhielten 55.300 junge Frauen in der EU eine Gründungsunterstützung und zusätzliche Einkommensbeihilfen.
Für die GAP nach 2027 sind weitere Anpassungen geplant, um die Förderung zu intensivieren. Die EU-Länder können die Flexibilität eines neuen, degressiven flächenbezogenen Zahlungssystems nutzen, um den spezifischen Bedarf von Landwirtinnen zu decken. Auch spezielle jährliche Zahlungen sind als Instrument denkbar. Ein weiterer Fokus liegt auf der Stärkung der Vertretung von Frauen in Führungspositionen, etwa in den Entscheidungsgremien der LEADER-Initiativen, die lokale Projekte zur Entwicklung des ländlichen Raums fördern und Frauen ausdrücklich einbeziehen sollen.
Eine Plattform für Vernetzung und Mentoring
Um den Austausch und die Sichtbarkeit von Frauen zu fördern, hat die Europäische Kommission die Plattform „Frauen in der Landwirtschaft“ ins Leben gerufen. Sie dient als Forum für Diskussionen und den Austausch bewährter Verfahren. Die Plattform, die am 30. Juni 2026 ihre erste Online-Sitzung abhielt, soll Mentoring-Initiativen auf nationaler und EU-Ebene erleichtern und ein dynamisches, EU-weites Netzwerk aufbauen, um den Dialog und den Austausch unter Kolleginnen zu fördern.
Im Zentrum der Plattform steht ein Mentoring-Netzwerk, das erfahrene Landwirtinnen mit Berufseinsteigerinnen zusammenbringt. Die Themen sind praxisnah und reichen von der Entwicklung von Betriebsplänen über Finanzmanagement und Zeitplanung bis hin zur Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Die Plattform hatte zu Beginn 460 Mitglieder aus 25 EU-Ländern, darunter Landwirtinnen, Mitarbeiterinnen aus der Verarbeitung, Beraterinnen und Wissenschaftlerinnen. Die Bewerbungsfrist für die erste Runde endete am 30. April 2026, weitere Runden sollen folgen.
2026: Internationales Jahr der Landwirtin
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Landwirtin ausgerufen, um die entscheidende Rolle von Frauen in den Agrar- und Ernährungssystemen weltweit ins Rampenlicht zu rücken. Die Initiative soll das Bewusstsein für die Herausforderungen schärfen, mit denen Frauen konfrontiert sind, darunter beschränkter Zugang zu Landbesitz, Finanzen und Bildung. Das Jahr will politische Maßnahmen und Investitionen anregen, die Frauen gezielt stärken.
Das Internationale Jahr ergänzt die EU-Initiativen und verstärkt deren Wirkung. Es schafft eine globale Bühne, um die Leistungen von Landwirtinnen zu würdigen und strukturelle Hürden abzubauen. Die FAO betont, dass gezielte Entwicklungsprogramme zur Stärkung von Frauen auf dem Land das Einkommen für 58 Millionen Menschen erhöhen (Stand: 2026-10-08) und die Widerstandsfähigkeit für 235 Millionen Menschen stärken könnten. Das Jahr der Landwirtin bietet eine wichtige Gelegenheit, dieses ungenutzte Potenzial zu erschließen und die Weichen für eine gerechtere Landwirtschaft zu stellen.
Dein Impuls für den Alltag
Die Förderung von Frauen in der Landwirtschaft betrifft uns alle, denn sie stärkt die Grundlage unserer Ernährung. Wenn du direkt dazu beitragen möchtest, halte Ausschau nach Produkten von Höfen, die von Frauen geführt werden. Viele Direktvermarkterinnen oder Bäuerinnenmärkte bieten eine gute Gelegenheit, direkt mit den Erzeugerinnen in Kontakt zu treten und mehr über ihre Arbeit zu erfahren. Mit deinem bewussten Einkauf unterstützt du nicht nur einzelne Betriebe, sondern setzt auch ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung in der Branche.
Weniger als ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU werden von Frauen geführt. Obwohl sie entscheidend für Innovation und Nachhaltigkeit sind, bleiben sie oft unsichtbar. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und neue Initiativen wie die Plattform „Frauen in der Landwirtschaft“ sollen das ändern, Hürden abbauen und weibliche Fachkräfte gezielt fördern und vernetzen.
Quellen
- Frauen in der Landwirtschaft in der EU — agriculture.ec.europa.eu
- International Year of the Woman Farmer — fao.org
Redaktion
Redaktion LebenswerteDie Redaktion von Lebenswerte recherchiert, prüft und ordnet Entwicklungen aus Landwirtschaft, Ernährung, Kreislaufwirtschaft und Regulierung ein.
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