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Der deutsche Nudelmarkt sendet zwei gegenläufige Signale: Der Verbrauch erreicht ein Rekordniveau, die heimische Herstellung geht jedoch zurück. Rund drei Viertel der hierzulande verzehrten Teigwaren stammen im Wirtschaftsjahr 2025/26 aus dem Ausland. Das ist mehr als eine Herkunftsnotiz auf der Packung. Die Zahlen zeigen, dass landwirtschaftlicher Rohstoffanbau, industrielle Verarbeitung, Handel und tatsächlicher Verzehr unterschiedliche Glieder derselben Wertschöpfungskette sind. Wer verstehen möchte, wie viel heimische Landwirtschaft in einem Standardprodukt steckt, muss deshalb genauer hinsehen.
Was bedeuten die drei Viertel genau?
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Nudeln liegt bei 10,1 Kilogramm, Stand Wirtschaftsjahr 2025/26 (Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft) und damit laut Verband auf Rekordniveau. Gleichzeitig sank die heimische Produktion im Wirtschaftsjahr 2025/26 um 4,7 Prozent auf 391.500 Tonnen. Die Einfuhren stiegen im selben Zeitraum um 2,6 Prozent auf 628.766 Tonnen. Nach Abzug der Exporte kamen nur noch rund 25 Prozent der in Deutschland verzehrten Teigwaren aus heimischer Produktion. Umgekehrt bedeutet das: Rund 75 Prozent waren Importware.
Produktion und Verbrauch lassen sich dabei nicht unmittelbar gegeneinander aufrechnen. Der deutsche Teigwarenmarkt umfasste 842.765 Tonnen, Stand Wirtschaftsjahr 2025/26 (Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft). Gleichzeitig wurden Teigwaren ein- und ausgeführt. Deshalb ist für den Anteil heimischer Ware nicht allein die Produktionsmenge entscheidend, sondern die nach Exporten verbleibende Menge im Verhältnis zum Markt. Die Importquote beschreibt also nicht, wo der verarbeitete Hartweizen angebaut wurde. Sie beschreibt die Herkunft der fertigen Teigwaren.
Italien ist das mit Abstand wichtigste Lieferland. Mit 456.367 Tonnen, Stand Wirtschaftsjahr 2025/26 (Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft) deckte es 54,2 Prozent des deutschen Marktes ab. Damit stammt mehr als jede zweite hierzulande verzehrte Nudel rechnerisch aus Italien. Der Verband führt diese Entwicklung unter anderem auf die Sortimentsgestaltung im Lebensmitteleinzelhandel zurück: Italienische Pasta werde regelmäßig als preisreduzierte Aktionsware angeboten, während deutsche Produkte seltener in Aktionen auftauchten oder höherpreisig positioniert seien. Das ist eine Einschätzung des Branchenverbandes, kein unabhängig belegter alleiniger Grund.
Warum mehr Hartweizen nicht automatisch mehr deutsche Nudeln bedeutet
Auf den ersten Blick überrascht die Entwicklung, denn der heimische Hartweizenanbau ist gewachsen. Zur Ernte 2026 wurden auf 60.400 Hektar, Stand Ernte 2026 (Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft) Hartweizen angebaut, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erntemenge erreichte 361.400 Tonnen. In deutschen Mühlen wurden im Wirtschaftsjahr 2025/26 rund 452.000 Tonnen Hartweizen vermahlen. Dennoch ging die heimische Teigwarenproduktion zurück.
Darin liegt die zentrale Erkenntnis: Eine größere Rohstoffernte garantiert nicht, dass auch die nächste Verarbeitungsstufe im Inland wächst. Zwischen Acker und Nudelregal liegen Mühlen, Teigwarenwerke, Handelsentscheidungen, Preise sowie Im- und Exporte. Heimischer Hartweizen kann verarbeitet werden, ohne dass daraus ausschließlich Pasta für den deutschen Markt entsteht. Umgekehrt können Hersteller in Deutschland Rohstoffe aus anderen Ländern einsetzen. Die Angabe „in Deutschland hergestellt“ und die landwirtschaftliche Herkunft des Hartweizens beantworten deshalb zwei verschiedene Fragen.
Für eine belastbare Einordnung der Wertschöpfungskette wären Angaben zur konkreten Rohstoffherkunft einzelner Produkte nötig. Die vorliegenden Marktzahlen liefern diese Zuordnung nicht. Sie zeigen aber, dass ein wachsender deutscher Hartweizenanbau allein die Marktposition deutscher Nudelhersteller bislang nicht gestärkt hat. Das ist für landwirtschaftliche Betriebe relevant, weil zusätzliche Erntemengen verlässliche Abnehmer in Mühlen und Verarbeitung brauchen.
Auch die Nudelsorten verändern sich
Neben der Herkunft hat sich die Zusammensetzung der deutschen Produktion verschoben. Von den 296.800 Tonnen Trockenteigwaren, Stand Wirtschaftsjahr 2025/26 (Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft), die in Deutschland hergestellt wurden, entfielen 175.600 Tonnen auf Produkte ohne Ei und 121.200 Tonnen auf Eiernudeln. Damit waren rund 59 Prozent der deutschen Trockenteigwaren eifrei.
Vor gut 20 Jahren war das Verhältnis nahezu umgekehrt. Im Jahr 2005 stellten deutsche Hersteller 217.228 Tonnen Teigwaren mit Ei und 36.102 Tonnen ohne Ei, Stand 2005 (Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft) her. Rund 86 Prozent der damaligen Produktion waren Eiernudeln. Der Wandel betrifft damit nicht nur die Menge, sondern auch das Sortiment. Die Daten sagen allerdings nicht, ob Ernährungsgewohnheiten, Rezepturen, Preise oder die Ausrichtung der Hersteller dafür ausschlaggebend waren. Eine eindeutige Ursache lässt sich aus ihnen nicht ableiten.
Ein alltagstauglicher Blick aufs Nudelregal
Wenn dir regionale Wertschöpfung wichtig ist, prüfe auf der Packung getrennt, was tatsächlich angegeben wird: der Herstellungsort, die Anschrift des Unternehmens oder eine ausdrückliche Rohstoffherkunft. Eine deutsche Firmenadresse belegt für sich genommen weder die Produktion in Deutschland noch den Anbau des Hartweizens. Fehlt eine klare Herkunftsangabe, lässt sich die landwirtschaftliche Herkunft aus den vorliegenden Pflichtangaben nicht sicher ablesen.
Für den Einkauf hilft deshalb eine kleine Reihenfolge: Suche zuerst nach einer eindeutigen Angabe zum Herstellungsland. Prüfe danach, ob zusätzlich die Herkunft des Hartweizens genannt wird. Vergleiche nicht nur den Grundpreis, sondern auch Aktionsangebote, weil gerade sie laut Branchenverband die Marktposition importierter Pasta prägen können. Wer Nudeln passend portioniert und Reste für Salat, Auflauf oder Suppe nutzt, hält zudem ein langlebiges Grundnahrungsmittel im Kreislauf der eigenen Küche, statt gekochte Mengen unnötig zu entsorgen. Mehr zur Einordnung von Herkunftsangaben: Lebensmittelkennzeichnung und Herkunft.
Rund drei Viertel der in Deutschland verzehrten Nudeln stammen im Wirtschaftsjahr 2025/26 aus dem Ausland. Gleichzeitig sank die heimische Teigwarenproduktion um 4,7 Prozent auf 391.500 Tonnen, obwohl der Verbrauch mit 10,1 Kilogramm pro Kopf ein Rekordniveau erreichte. Die Zahlen zeigen: Mehr heimischer Hartweizen führt nicht automatisch zu mehr Pasta aus deutscher Produktion.
Quellen
Redaktion
Redaktion LebenswerteDie Redaktion von Lebenswerte recherchiert, prüft und ordnet Entwicklungen aus Landwirtschaft, Ernährung, Kreislaufwirtschaft und Regulierung ein.
Redaktionelle Prüfung und Quellenverifikation durch das Team von Better Now Marketing.
Transparenz: Der Rohentwurf dieses Beitrags entstand KI-gestützt und wurde redaktionell geprüft, belegt und eingeordnet. Zuletzt inhaltlich aktualisiert am 26.10.2026.
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